Am Spieltag sieht man im Stadion nur das Ergebnis: Die LED-Bande lĂ€uft, Sponsoren sind prĂ€sent, alles wirkt selbstverstĂ€ndlich und automatisiert. FĂŒr Fans und selbst fĂŒr viele Verantwortliche im Verein ist die LED-Bande ânurâ ein Bildschirm, der halt funktioniert. In Wirklichkeit steckt dahinter aber ein ziemlich komplexes Zusammenspiel aus Logistik, Technik, Content-Management und Abstimmung mit vielen Beteiligten.
Wenn Sie im Verein Verantwortung fĂŒr Vermarktung, Organisation oder Technik tragen, ist es wichtig zu verstehen, welche Aufgaben rund um einen Spieltag wirklich anfallen, damit die LED-Bande zuverlĂ€ssig lĂ€uft. Dieser Artikel zeigt Schritt fĂŒr Schritt, was im Hintergrund passiert und gibt dir konkrete Tipps, wie du die AblĂ€ufe in deinem Club professionell organisieren kannst.
Bevor der erste Spot ĂŒber die Bande lĂ€uft, muss ĂŒberhaupt sichergestellt sein, dass die Hardware steht und funktioniert. Je nach Stadion und System ist schon das mehr Aufwand, als man im ersten Moment denkt.
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ZunĂ€chst geht es ganz banal darum, die Bande ĂŒberhaupt ins Stadion zu bekommen und an ihrem Platz aufzubauen. In vielen Profistadien stehen bestimmte LED-Systeme dauerhaft, in anderen FĂ€llen wird die Bande zu den Spielen hin- und wieder abgebaut.
Aus Vereinssicht beginnt die Arbeit deshalb schon deutlich vor dem Spieltag. Die grundlegenden Fragen lauten: Wann kommt das Material ins Stadion, ĂŒber welche Zufahrt, wo wird es zwischengelagert, wer ist Ansprechpartner vor Ort, welche FlĂ€chen dĂŒrfen ĂŒberhaupt befahren werden und welche nicht. Sinnvoll ist, fĂŒr jedes Heimspiel einen einfachen, aber klaren Ablaufplan zu haben: eine Uhrzeit fĂŒr das Eintreffen des Materials, eine Uhrzeit fĂŒr den Aufbau, eine Uhrzeit fĂŒr den ersten Testlauf. Insbesondere wenn mehrere Gewerke im Stadion unterwegs sind (wie etwa Catering, TV, Security, Eventtechnik, etc.) sollte man sich frĂŒhzeitig abstimmen.
FĂŒr mobile oder teilweise mobile Systeme ist es hilfreich, einen festen Aufbauplan zu haben, der genau beschreibt, welche Segmente wo stehen, in welcher Reihenfolge sie platziert werden und wie die Kabelwege verlaufen. Je öfter der gleiche Plan verwendet wird, desto schneller wird der Aufbau und desto geringer ist das Risiko von Fehlern. Bei internationalen Spielen oder Partien mit hohen Anforderungen (wie zum Beispiel UEFA-Wettbewerbe) muss man zusĂ€tzlich einkalkulieren, dass die gesamte Technik deutlich frĂŒher stehen und getestet sein muss. Ăblich ist hier, dass zwei Tage vor dem Spiel bereits alles betriebsbereit ist, damit TV-Teams Proben fahren und die Veranstalter Checks machen können.
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Sobald die Module stehen, beginnt der technische Teil. Zuerst wird die Stromversorgung plangemÀà eingerichtet. Das bedeutet: ausreichend abgesicherte Stromkreise, keine abenteuerlichen Mehrfachsteckdosen-Kaskaden, möglichst kurze und sichere Kabelwege. Parallel dazu wird die Datenverbindung hergestellt, typischerweise ĂŒber Netzwerkkabel oder Glasfaser, je nach System. Wichtig ist, dass die Kabel so verlegt werden, dass sie weder zur Stolperfalle werden noch durch Fahrzeuge, Tore oder TĂŒren beschĂ€digt werden können.
Sind Strom und Daten angeschlossen, werden die Bandenmodule im System âangemeldetâ. Jedes Modul hat eine feste Position in der Kette und im Bild. Nur wenn die Reihenfolge korrekt ist, ergibt die gesamte Bande ein durchgĂ€ngiges Bild ohne verrutschte Logos oder abgeschnittene Spots. In der Praxis wird dann ein definierter technischer Check durchgefĂŒhrt: Testbilder zur PrĂŒfung von Helligkeit und FarbgleichmĂ€Ăigkeit und Muster fĂŒr die Ausrichtung sind ĂŒblich. Idealerweise gibt es dafĂŒr eine Checkliste, die zu jedem Heimspiel abgearbeitet wird.
Ein sehr einfacher, aber effektiver Tipp: Vor und nach jedem Spiel Fotos, auf denen die gesamte Bande zu sehen ist. So lassen sich SchĂ€den, Helligkeitsunterschiede oder VerĂ€nderungen ĂŒber die Saison hinweg dokumentieren. Auch fĂŒr eventuelle VersicherungsfĂ€lle oder Reklamationen ist das Gold wert.
Sobald TV oder Streaming im Spiel ist, wird der technische Teil  um noch eine Aufgabe erweitert. Kameras reagieren empfindlich auf Umgebungshelligkeit. Eine zu helle oder zu dunkle Bande kann dazu fĂŒhren, dass das Bild im Fernsehen schlecht aussieht.Deshalb ist es sinnvoll, vor allem bei TV-Spielen eine kurze Abstimmung mit der Regie oder dem verantwortlichen Bildingenieur zu haben. Gegebenenfalls wird dann die Helligkeit etwas angepasst.
Auch die Animationen selbst können ein Thema sein. Sehr schnelle, hektische Animationen sind im Stadion schwer lesbar und können im TV-Bild unruhig wirken. Hier lohnt es sich, schon bei der Content-Entwicklung auf sinnvolle Geschwindigkeiten und die richtigen SchriftgröĂen zu achten.
Die Technik kann perfekt sein, aber wenn der Content-Prozess nicht funktioniert, ist der Spieltag trotzdem stressig. FĂŒr viele Vereine ist dies der Bereich, der am meisten unterschĂ€tzt wird.
Der Content-Prozess beginnt mehrere Tage vor dem Spiel und auch schon Wochen vor Saisonbeginn. Sponsoren mĂŒssen wissen, wann sie ihre Spots liefern sollen, in welchem Format und an wen. Es hat sich bewĂ€hrt, klare Deadlines zu kommunizieren, zum Beispiel: Content-Anlieferung spĂ€testens drei Werktage vor dem Spiel, Ănderungen bis 48 Stunden vor Anpfiff.
Eine weitere gute Praxis ist eine zentrale Anlaufstelle, etwa eine eigene E-Mail-Adresse fĂŒr Bandencontent. So laufen nicht zehn verschiedene Dateien in fĂŒnf verschiedenen PostfĂ€chern ein. Gleichzeitig sollten die technischen Spezifikationen frĂŒhzeitig und verstĂ€ndlich aufbereitet sein: Welche Auflösung ist nötig, welche Framerate, welches Dateiformat. Je klarer das kommuniziert wird, desto weniger Nacharbeit entsteht.
Gerade regionale Sponsoren, die zum ersten Mal Bandencontent liefern, sind mit diesen Anforderungen oft ĂŒberfordert. Hier können Vereine echten Mehrwert bieten, indem sie Beispiele, Templates und vielleicht sogar eine einfache Checkliste zur VerfĂŒgung stellen. Wer frĂŒh erklĂ€rt, wie ein Motiv aussehen sollte, bekommt am Ende seltener âNotlösungenâ, die weder schön noch gut lesbar sind.
Je nach Struktur im Verein gibt es zwei typische Szenarien. Im ersten Fall liefern Sponsoren ihre fertigen Spots an. Dann besteht die Aufgabe des Vereins oder des Dienstleisters darin, diese Inhalte technisch zu prĂŒfen und gegebenenfalls kleinere Anpassungen vorzunehmen. Im zweiten Fall werden die Spots direkt vom Verein oder einem Dienstleister produziert. Dann beginnt alles mit einem Briefing: Welche Botschaft soll vermittelt werden, wie lang darf der Spot sein, welche Vorgaben gibt es fĂŒr Farben, Logos, Claims und Animationen.
In beiden FĂ€llen ist ein klarer Freigabeprozess entscheidend. Ein sinnvolles Vorgehen ist etwa: Zuerst wird der Spot technisch getestet, um sicherzustellen, dass er flĂŒssig lĂ€uft und alle Elemente gut erkennbar sind. Dann folgt die inhaltliche PrĂŒfung, bei der der Verein etwa auf rechtliche Themen, auf Ăbereinstimmung mit eigenen Richtlinien und auf die Einhaltung von Verbandsvorgaben achtet. Erst wenn diese Schritte erledigt sind, sollte die finale Freigabe an den Sponsor und intern fĂŒr den Spieltag erfolgen.
Ein Tipp aus der Praxis: Halte fĂŒr jeden Spieltag fest, welche Spots mit welchem Status eingeplant sind. Das kann in einer einfachen Excel Tabelle passieren. Das hilft enorm, den Ăberblick zu behalten, vor allem, wenn mehrere Personen beteiligt sind.
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HerzstĂŒck der Spieltagsbetreuung ist die Frage: Wer lĂ€uft wann und wie oft ĂŒber die Bande. Hier kommt der Regieplan ins Spiel, der festlegt, welche Inhalte in den verschiedenen Phasen des Spieltags gezeigt werden.
Ein typischer Spieltag besteht aus mehreren klar unterscheidbaren Abschnitten. Vor dem Einlass und zum Stadionöffnung laufen hĂ€ufig Sponsoren mit regionalem Fokus. WĂ€hrend des Einlaufs und der Teamvorstellung werden oft besondere Animationen des Vereins oder spezielle Sponsorenanimationen gezeigt. In der Halbzeit gibt es meist eine Mischform aus Werbung, Vereinskommunikation und eventuell kurzen Aktionen und Aktivierungen. Nach dem Abpfiff sind Dankesbotschaften, Hinweise auf das nĂ€chste Heimspiel oder Kampagnen fĂŒr Dauerkarten ĂŒblich.
FĂŒr den Operator am Spieltag ist es wichtig, dass jede dieser Phasen als eigene Playlist vorbereitet ist, sodass er dann zum richtigen Zeitpunkt die vorgesehene Playlist starten kann. Auch spontane Situationen wie eine lĂ€ngere Nachspielzeit oder Verzögerungen lassen sich besser abfangen, wenn klar ist, welche Inhalte fĂŒr solche FĂ€lle vorgesehen sind.
SpĂ€testens wenn die Prozesse klarer werden, kommt die entscheidende Frage auf: Wollen wir das alles selbst machen oder holen wir uns externe UnterstĂŒtzung. Beides kann funktionieren, aber die Voraussetzungen sind unterschiedlich.

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Ein externer Dienstleister ĂŒbernimmt in der Regel den kompletten technischen und operativen Teil am Spieltag. Das bedeutet: Aufbau und Abbau, technische PrĂŒfung, Betrieb der Systeme wĂ€hrend des Spiels, Wartung und Reparatur, teilweise auch Content-Erstellung.
FĂŒr Vereine, die wenig internes Personal haben oder bei denen sich Aufgaben ohnehin auf wenige Schultern verteilen, kann das eine enorme Entlastung sein. Niemand aus dem eigenen Team muss parallel zum TagesgeschĂ€ft auch noch Bandenoperator, Techniker und Projektmanager spielen. Gleichzeitig bringt ein spezialisierter Partner Erfahrung aus anderen Stadien mit, kennt typische Fehler und hat meist Backuplösungen parat, falls doch einmal etwas ausfĂ€llt.
Full Service ist auĂerdem dann attraktiv, wenn viele TV-Spiele anstehen oder die Anforderungen generell hoch sind. In solchen FĂ€llen ist die Angst vor AusfĂ€llen groĂ, und die Bereitschaft, Verantwortung an Profis zu ĂŒbergeben, ist oft höher. Der Preis dafĂŒr sind laufende Servicekosten pro Spieltag, die in die Budgetplanung einkalkuliert werden mĂŒssen.
Ein Inhouse-Modell, bei dem der Verein die Spieltagsbetreuung selbst ĂŒbernimmt, kann eine gute Lösung sein, wenn genĂŒgend motivierte und technikaffine Menschen im Umfeld vorhanden sind. Diese Personen sollten aber nicht nur âirgendwie Zeitâ haben, sondern wirklich Verantwortung ĂŒbernehmen wollen. Sie brauchen eine grĂŒndliche Schulung in der Software, ein VerstĂ€ndnis fĂŒr die technischen Grundlagen und die Bereitschaft, sich mit Checklisten, ProbelĂ€ufen und RegieplĂ€nen auseinanderzusetzen.
Der Vorteil eines Inhouse-Setups ist die maximale FlexibilitĂ€t. Spontane Content-Ideen können auch kurzfristig umgesetzt werden, die Wege im Verein sind kurz und Kommunikationsschleifen mit Externen entfallen. Zudem lassen sich ĂŒber die Zeit Kosten sparen, wenn keine regelmĂ€Ăigen Servicepauschalen mehr anfallen.
Gleichzeitig ist die AbhĂ€ngigkeit von Einzelpersonen höher. Wenn zwei Mitarbeitende alles im Griff haben, aber einer krank wird und der andere im Urlaub ist, steht man schnell vor einem Problem. Deshalb ist es wichtig, rechtzeitig fĂŒr Vertretung zu sorgen und Wissen zu dokumentieren. Eine Kombination aus festgelegten AblĂ€ufen und Training fĂŒr Operator bei Testspielen, die AbhĂ€ngigkeit von einzelnen Köpfen zu reduzieren.
Viele Vereine landen am Ende in einem Hybridmodell. Ein externer Partner ĂŒbernimmt die komplexe Technik und die Wartung, wĂ€hrend der Verein Schritt fĂŒr Schritt mehr Verantwortung fĂŒr den Content-Prozess und die Regieplanung ĂŒbernimmt. So kann intern Know-how aufgebaut werden, ohne dass man bei technischen Problemen komplett auf sich allein gestellt ist.
Dieses Modell kann auch ein guter Ăbergang sein: Anfangs stĂ€rker auf Full Service setzen, parallel Leute ausbilden und mittelfristig ĂŒberlegen, welche Teile des Prozesses man dauerhaft im Verein behalten möchte.
Von der TribĂŒne aus wirkt LED-Bandenwerbung simpel: Die Spots laufen, alles leuchtet, die Sponsoren sind prĂ€sent. Wenn man hinter die Kulissen schaut, wird schnell klar, wie viele Schritte nötig sind, damit am Spieltag alles glattlĂ€uft. Aufbau und Logistik, Strom- und Datenverkabelung, technische Checks, Abstimmung mit TV, Content-Anlieferung, Produktion, Freigaben, Playlisten und Regieplanung â all das muss sitzen, damit die Bande das tut, was sie tun soll: zuverlĂ€ssig Sponsoren sichtbar machen, den Verein professionell prĂ€sentieren und zusĂ€tzliche UmsĂ€tze generieren.
FĂŒr viele Clubs ist es deshalb am Ende die bessere Lösung, einen spezialisierten Drittanbieter zu beauftragen oder zumindest Teile der Aufgaben auszulagern. Andere Vereine entscheiden sich bewusst dafĂŒr, sich das Wissen selbst aufzubauen. Wichtig ist in beiden FĂ€llen, die Spieltagsbetreuung der LED-Bande nicht als âNebensacheâ zu behandeln.
Wer sie als eigenes Projekt versteht, klare AblĂ€ufe definiert und die richtigen Menschen damit beauftragt diese umzusetzen, hat am Spieltag tatsĂ€chlich das, was von auĂen so selbstverstĂ€ndlich aussieht: eine LED-Bande, die zur richtigen Zeit den richtigen Content auf der richtigen FlĂ€che zeigt und damit Sponsoren, Fans und den eigenen Verein gleichermaĂen zufrieden macht.
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